Deutscher Name: Breitrandschildkröte
Wissenschaftlicher Name: Testudo Marginata (Schoepf, 1792)
Unterarten: keine anerkannten, auch die immer wieder benannte Testudo marginata weissingeri wird, wie die sardische Form, als Lokalform angesehen und besitzt keinen Unterartenstatus
Schutzstatus: WA II, EU-Verordnung 939/97 Anhang A

Merkmale:

  • lang gestreckter, hoch gewölbter Rückenpanzer (Carapax), in der Aufsicht bei adulten Weibchen tonnenförmig, bei den Männchen tailliert
  • im Alter ausladende gesägte Randschilder (Marginalschilder), diese sind namensgebend
  • mindestens 3 Schilderpaare in Dreiecksform (Wimpelform) auf dem Bauchpanzer (Plastron), genauer: auf den Brust-, Bauch- und Schenkelschilden, wobei die spitze Seite zum unteren Ende zeigt
  • als Schlüpfling hell und kontrastreich gezeichnet, mit zunehmendem Alter dunkler, nur noch in der Mitte der Centralschilder helle Flecken, im Alter dann meist vollständig schwarz
  • Hinterlappen des Bauchpanzers oft beweglich, vor allem bei Weibchen
  • kein Hornendnagel, keine Oberschenkelsporen, das Schild über dem Schwanz ist immer ungeteilt, der Schwanz selbst besitzt einen schwarzen Streifen von oben nach unten

Größe:
Die Breitrandschildkröte ist die größte der Europäischen Landschildkröten. Sie kann eine Größe von bis zu 40 cm erlangen, ein Gewicht bis zu 4,5 kg ist keine Seltenheit.

Lebenserwartung:
60 – 80 Jahre und mehr.

Geschlechtsbestimmung:
Der Schwanz der Männchen ist an der Basis viel dicker als der der Weibchen, auch etwa 3 mal so lang.
Die Kloake bei Weibchen ist kreisrund und liegt näher am Panzerrand. Die Kloake der Männchen ist
schlitzförmig und liegt weiter Richtung Schwanzende. Wie bei den übrigen Europäischen
Landschildkröten ist die Form der Analschilde wichtig. Bei den Weibchen laufen sie spitz zusammen, bei
den Männchen sind sie breit gefächert. Von oben gesehen sind die adulten Männchen eher tailliert, die
Damen hingegen tonnenförmig (beim Menschen ist dies genau umgekehrt). 
Die Geschlechterbestimmung ist bei Testudo marginata verhältnismäßig spät möglich, oft erst nach
Erreichen eines Gewichtes oberhalb von 600 gr. Bei der Geschlechtsbestimmung ist viel mehr das
Gewicht als das Alter maßgeblich.

Geschlechtsreife:
Die Geschlechtsreife kann ab circa 1400 gr eintreten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Oft sind die Tiere dann bereits 15 Jahre und älter.

Verbreitungsgebiete:
Südliches und mittleres Griechenland vom Olymp bis zum Tagetos-Gebirge, auf einigen Inseln der Ägäis und im südlichen Albanien. Auf Sardinien wurde sie schon vor langer Zeit vom Menschen angesiedelt, gleiches gilt wohl für ein kleines Vorkommen bei Livorno, Italien.

Lebensraum:
Bergige Hügellandschaft, felsiges und teilweise sehr steiles Gelände, aber auch flachere Gegenden mit geradezu üppiger Vegetation, auf Sardinien sogar auf Viehweiden.

Terrariumhaltung:
Breitrandschildkröten sind wie alle Schildkröten Wildtiere und werden es immer bleiben. Die stete Orientierung am Herkunftsgebiet in jeder Hinsicht der Haltung, ob Unterbringung, Fütterung oder sonstiges, ist unerlässlich. Dies schließt für mich eine Terrariumhaltung von vorne herein aus

Lebensweise:
Wechselwarm, tagaktiv

Grafik:

Quelle: http://www.iten-online.ch/klima/klimatabellen.htm

Gestaltung des Freilandgeheges:
Wir sollten den sonnigsten Platz in unserem Garten wählen. Da wir den Lichtbedürfnissen ohnehin nicht gerecht werden können, müssen wir unser Optimum bieten. Eine stabile Umrandung schütz vor Ausbruch. Hierbei ist zu bedenken, dass Schildkröten auch übereinander klettern und so die doppelte Körperhöhe erreichen können.

Die Größe des Geheges richtet sich nach der Größe und dem Alter der gehaltenen Tiere. Grundsätzlich gilt: lieber zu groß als zu klein. Wird durch eine ausreichende Strukturierung des Geheges für Verstecke und Sichtbarrieren gesorgt, können einige fehlende Quadratmeter ausgeglichen werden. Die mediterrane Umgebung und das dort herrschende Klima versuchen wir so gut es geht nachzuempfinden.

Hierzu wird unbedingt ein Schutzhaus (am besten Frühbeet oder Gewächshaus) aus möglichst UVdurchlässigem Material benötigt. Für den Standort dieses Hauses sollte ein Platz ausgesucht werden, der früh morgens bereits besonnt ist. Es sollte auf einem festen Fundament stehen (in diesem Fundament am besten auch die Durchgänge für die Tiere aussparen) und in einer Tiefe von etwa 1 m gegen das Eindringen von z.B. Ratten und Mäusen gesichert sein. Auch vor Überhitzung sei gewarnt, am besten eignen sich automatische Fensterheber. Als Bodengrund empfiehlt sich einfache Gartenerde. Die Tiere müssen in der Lage sein, je nach persönlichem Gusto ihr Haus verlassen und wieder aufsuchen zu können. Abends werden alle Türen vollständig verschlossen, so dass Prädatoren nicht hinein können. Bewährt haben sich isolierte Schlafkisten im Inneren des Hauses. Darin können die Schildkröten auch die Wintermonate eingegraben im Erdreich verbringen. Ein Stromanschluss für Heizlampen sollte vorhanden sein, damit man in den Übergangszeiten und eventuell bei Schlechtwetterphasen zuheizen kann.

Bei der Bepflanzung des Freigeheges veranschaulichen wir uns wieder, wie es im Ursprungshabitat aussieht. Am besten gestaltet man abwechslungsreich eine hügelige Landschaft mit verschiedenen Steinen, Wurzeln, Baumstämmen u.a.. Büsche und Sträucher als Schattenspender werden gerne angenommen. Mediterrane Pflanzen wie Salbei, Rosmarin, Lavendel oder Thymian vervollständigen das naturnahe Bild.

Sind bereits geschlechtsreife Weibchen im Bestand, ist unbedingt ein Eiablageplatz einzurichten. Dieser wird nach Süden ausgerichtet. Lockere Erde mit etwas Sand vermischen, so wird sie schön grabfähig. Günstig ist ebenfalls, den Hügel mit größeren Steinen einzufassen, diese speichern die Sonnenwärme. Besonders zu beachten ist bei der Breitrandschildkröte die extreme Reviertreue. Ein Umsetzen, Umbauen oder Umgestalten des Geheges, auch das Einbringen von Neuzugängen bedeutet immer Stress. Oft werden daraufhin tagelang die geänderten Areale gemieden oder es kommt zu Kämpfen unter den einzelnen Tieren um die aus den Fugen geratene Ordnung wieder herzustellen. Auch können sich bedingt durch diesen Stress Parasiten schnell vermehren. Eine genaue Beobachtung bei jeglichen Änderungen ist angeraten.

Futter:
Breitrandschildkröten sind reine Pflanzenfresser. Essbare „Un“kräuter dürfen im Gehege nicht fehlen und müssen ständig nachgesät oder gepflanzt werden. Schildkröten sind Weidegänger, d.h. sie fressen mal hier ein wenig, mal dort ein wenig und gehen dann weiter. Die Einrichtung eines festen Futterplatzes kann daher nicht empfohlen werden. Es am natürlichsten, sie selbst für ihre Nahrungsaufnahme sorgen zu lassen und immer genügend wachsendes Futter bieten zu können. Giftpflanzen sollten im Schildkrötengehege Tabu sein.

Ausgewachsene Marginatas nehmen eine relativ große Futtermenge zu sich, auch Gras wird nicht verschmäht. Man kann frische Pflanzen von einer ungedüngten Wiese, die nicht in der Nähe einer viel befahrenen Straße liegen sollte anbieten und mit fortschreitendem Sommer Kräuterheu. Im Habitat gibt es dann auch kaum frisches Grün, lediglich ausgedorrte Pflanzen. Nicht angeboten werden sollten Gemüse und Obst. Wasserstellen sind sowohl innerhalb des Hauses sowie im Freigehege ratsam. Den Tieren sollte immer frisches Wasser zur Verfügung stehen. Die Schalen müssen täglich gereinigt werden, da Schildkröten meist hinein koten.

Schildkröten sind auf die Zufuhr von Kalzium angewiesen. Daher müssen immer Sepiaschalen, abgekochte und zerstoßene Eierschalen und/oder Muschelgritt angeboten werden. Bei dieser natur- und artgerechten Ernährungsweise sind weitere Vitamingaben, Aufbaupräparate und dergleichen nicht nur unnötig, sondern oft sogar gefährlich.

Jungtiere:
Die Haltung von Jungtieren unterscheidet sich nicht von der erwachsener Tiere. Unterschlüpfe müssen vorhanden sein, da sie eine verstecktere Lebensweise führen. Dies bedeutet ein leicht abweichendes Mikroklima, da unter Grassoden, Wurzeln oder Erdhöhlen die Umgebungsfeuchte höher ist. Dies sollte bei der Haltung Beachtung finden, auch, um einer Höckerbildung des Rückenpanzers (Carapax) entgegenzuwirken.

Das Freigehege muss von oben gegen Prädatoren geschützt werden. Ratten, Mäuse, Krähen, Marder, Schlangen oder Füchse, auch eigene Hunde oder Katzen stellen eine ernste Gefahr dar. Außerdem sollte es im Laufe der Jahre „mitwachsen“.

Winterstarre:
Während der Winterstarre laufen im Körper der Tiere wichtige Stoffwechselabläufe ab. Daher sollte diese auf keinen Fall unterbleiben. Die anfängliche Angst oder Unsicherheit legt sich bald mit der Routine. Am günstigsten ist natürlich, wenn sich die Schildkröten eigenständig auf die bevorstehende Winterstarre vorbereiten können. So steuern Tageslichtlänge und –intensität die Ausschüttung des Hormons Melanin und der Körper stellt sich quasi automatisch um. Die Aktivität lässt nach und die Nahrungsaufnahme wird bald eingestellt.

Draußen überwinternde Schildkröten bestimmen die Länge der Winterstarre selbst. Die Überwinterungstemperatur sollte zwischen 4 – 8° liegen. Schildkröten, die nicht im Freiland überwintert werden, sitzen am besten auf/in normaler Gartenerde, bzw. Erde von Maulwurfshügeln und sind mit Buchenlaub abgedeckt. Es muss darauf geachtet werden, dass das Substrat nicht vollständig austrocknet.

Achtung: zu viel Nässe begünstigt Schimmelbildung, eine zu trockene Überwinterung trocknet die Tiere ebenfalls aus! Gegebenenfalls ist hier mit leichtem Nachsprühen mit einem Blumensprüher nachzubessern.

Bemerkungen:
Einmal jährlich sollte der Kot untersucht werden (der beste Zeitpunkt ist das spätere Frühjahr) und
wenn nötig entwurmt werden. Ist ein Tier der Gruppe betroffen, sollten alle Tiere behandelt werden.
Mindestens ca 8 Wochen vor Herbstbeginn muss die Behandlung abgeschlossen sein, da die
Medikamente mehrere Wochen im Körper der Tiere verbleiben können und so kein Tier eingewintert
werden darf. Nicht jeder Wurmbefall muss/sollte behandelt werden.

Weiterreichende Informationen sollten sich aus entsprechender Fachliteratur angelesen werden.
Hier einige (sicherlich unvollständige) Empfehlungen

  • Georg Mirlach: Ihr Hobby, Testudo marginata, Breitrandschildkröten aus dem bede-Verlag
  • Thorsten Geier: Fester Panzer, weiches Herz aus dem Kleintierverlag
  • Draco, Mediterrane Landschildkröten 02/2000
  • Draco, Mediterrane Landschildkröten Nr. 32, Jahrgang 8 (2007-4)
  • Mario Herz: Die Breitrandschildkröte aus dem Natur und Tier-Verlag
  • Manfred Rogner: Die Breitrandschildkröte aus dem Natur und Tier-Verlag
  • Wolfgang Wegehaupt: Sardinien die Insel der europäischen Schildkröten aus dem WegehauptVerlag

Alle Angaben sind ohne Gewähr!

Autor: Anke Vallen

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Haltungsempfehlung Breitrandschildkröte – Testudo marginata