Die „Schildkrötenart des Jahres 2017“: Die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans)

Ab sofort wird die Interessengemeinschaft Schildkrötenschutz und Nachzucht e.V. in jedem Jahr die „Schildkrötenart des Jahres“ wählen. Ab 2018 werden alle IGSN-Mitglieder jährlich darüber abstimmen, welche Art das sein wird. Zur Einführung in diesem Jahr hat sich der Vorstand noch eine Art aussuchen dürfen. Dabei haben wir nicht lange überlegen müssen. Es gibt wohl nur sehr wenige Menschen, die noch nie eine Rotwangen-Schmuckschildkröte gesehen haben. Ob im Zoo, im Stadtteich, am heimischen See, oder bei einem Halter zuhause. Die auffällig wirkenden Halsberger-Schildkröten werden seit vielen Jahren nicht nur in Europa gehalten und nachgezüchtet.

trachemys scripta scripta
trachemys scripta scripta

Im Zoofachhandel war die Rotwangen-Schmuckschildkröte bis August 2016 immer zu bekommen. Für ein paar Euro gab es die kleinen, grünen Neuland-Sumpfschildkröten zu kaufen. Doch so klein blieben die Tiere ja nicht lange. Und so landen viele Tiere leider allzu oft in Auffangstationen, Tierheimen oder bei neuen, interessierten Haltern. Manche Schildkröte wird aber leider auch einfach in einen Bach, Kanal, See oder Teich gesetzt. Ihre Überlebenschancen stehen hier in Deutschland dabei gar nicht mal so schlecht. In den südlichen Teilen Europas pflanzen sich die Schmuckschildkröten sogar fort, da dort die klimatischen Verhältnisse noch um ein Vielfaches besser sind, wenn es um die Entwicklung im Ei geht.

Deshalb hat die EU im Jahr 2016 eine neue Verordnung für ihre Mitgliedsländer verfasst, in der ein Verbot der Einfuhr, Haltung, Zucht, Transport, Erwerb, Verwendung, Tausch und Freisetzung invasiver Tierarten wie  z.B. den Buchstaben-Schmuckschildkröten, zu denen neben der Rotwangen-Schmuckschildkröte auch die Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) und die Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii) zählen, ab sofort ausgesprochen wurde.

Das lässt sich gut verordnen, wenn man nicht dafür verantwortlich ist, dafür Sorge zu tragen, dass diese neue Verordnung auch durchgesetzt wird. Den Verwaltungsangestellten der Städte und Kommunen hat man in jedem Fall einen Bärendienst erwiesen. Auch den Haltern und Züchtern dieser Schildkröten. Sie dürfen ihre Tiere bis zu deren Ableben nämlich behalten, müssen aber Auflagen erfüllen, und dürfen die Tiere wiederum nicht weitergeben…

Händlern gibt man eine Übergangszeit, in der sie ihre Altbestände zwar verkaufen dürfen, aber theoretisch gibt es ja keine Abnehmer mehr, da niemand mehr solche Schildkröten kaufen darf.

Und wie gehen Auffangstationen und Tierheime ab sofort mit den „verbotenen Schildkröten“ um…?

Trachemys scripta elegans ist also das böse Beispiel dafür was passiert, wenn man unüberlegt die Haltung einer bestimmten Tierart von heute auf morgen grundsätzlich verbietet. Doch gerade deshalb brauchen diese Schildkröten nun besonders viele Fürsprecher und Menschen, die sie beschützen. Und das ist eben der Grund, warum die IGSN die Rotwangen-Schmuckschildkröte zur „Schildkrötenart des Jahres“ gewählt hat.

Was will man mit den zigtausend Schmuckschildkröten bis zu ihrem Ableben machen? Glücklicher Weise gibt es viele Menschen, die diese sympathischen und friedlichen Schildkröten auch weiterhin hegen und pflegen wollen. Diese Menschen müssen jetzt unterstützt werden. Menschen, die den Buchstaben-Schmuckschildkröten auch weiterhin ein artgerechtes Zuhause bieten wollen. Auch oder gerade weil man dafür Sorge zu tragen hat, dass die Tiere nicht ausbrechen und/oder sich vermehren. Jede im öffentlichen Gewässer sitzende Buchstaben-Schmuckschildkröte wird wahrscheinlich bald zum „Abschuss freigegeben“ (bildlich gesprochen). Die Rotwangen-Schmuckschildkröte hat sicherlich nichts in deutschen Gewässern verloren. Aber dennoch brauchen diese hier lebenden Schildkröten unseren Schutz.

2017 wird Trachemys scripta elegans von uns zum Botschafter aller Schutz suchenden Schildkröten gemacht. Und deshalb ist Trachemys scripta elegans auch zur „Schildkrötenart des Jahres 2017“ gewählt worden. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir den Besuchern unserer Homepage etwas über diese Schildkrötenart berichten. Halter und Liebhaber dieser Art werden uns ihre Geschichten erzählen. Und wir werden eine Informationsbroschüre anfertigen, in der alle wichtigen Eckdaten zu dieser Art aufgeführt sind.

Trachemys scripta elegans  – die Schildkrötenart des Jahres 2017“

…und das heute zum Weltschildkrötentag

 

Nähere Infos zur neuen EU-Verordnung der gebietsfremden Arten findet ihr hier und hier.

Hier das Positionspapier der Reptilienauffangstation München zur neuen EU-Verordnung, welches die IGSN unterstützt.

Nähere Informationen zur Rotwangen-Schmuckschildkröte findet ihr auch in unserer Haltungsempfehlung.

 

 

 

 

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Die „Schildkrötenart des Jahres 2017“: Die Rotwangen-Schmuckschildkröte